Die Aufbauphase des Kompetenzzentrums ist auf vier Jahre ausgelegt. Die Anfangsphase wird stark geprägt sein von Aufbau, Erweiterung und Qualitätssicherung der Datenbasis, der Indikatorentwicklung sowie ersten Machbarkeits- und Pilotstudien. Die Forschungsarbeiten sollen sich flexibel an die praktischen Erfahrungen im Einsatz der Instrumente anpassen lassen. Gleichwohl lassen sich einige große Themenkomplexe bereits jetzt umreißen:
- Codierung von Institutionen und Personen
Bibliografische Daten erfordern eine Säuberung und Disambiguierung auf institutioneller und personeller Ebene. Unterschiedliche Schreibweisen von Adressen müssen vereinheitlicht und unterschiedliche Autoren desselben Namens getrennt werden. Automatische, semi-automatische und lernfähige Algorithmen sollen entwickelt und nachhaltig verfügbar gemacht werden. Die Dynamik und hierarchische Struktur der Institutionslandschaft soll abgebildet werden.
- Indikatorentwicklung
Die Anforderungen an die bibliometrische Indikatorik sind komplex und anspruchsvoll: Unterschiede zwischen wissenschaftlichen Fachgebieten erfordern die Bearbeitung immer kontextspezifischerer Fragestellungen. Nichtlineare Dynamiken in der Entwicklung wissenschaftlicher Systeme erfordern ein Überdenken der aktuell zur Anwendung kommenden Indikatoren. Es sollen Indikatoren entwickelt werden, die einerseits auf unterschiedliche Fachgebiete anwendbar sind, und andererseits fachübergreifendeVergleiche ermöglichen. Hierbei ist besonders – aber nicht nur – an Indikatoren gedacht, die Aussagen über den Impact von Forschungsleistung ermöglichen.
- Qualitätssicherung und -messung
Zahlreiche bibliometrische Indikatoren ermöglichen schnelle Aussagen über Quantität und Qualität von Forschungsleistungen. Die Ergebnisse sind jedoch abhängig von verwendeten Methoden und Daten. Basieren auf theoretisch begründeten Fehlerlehren sollen Gütemaße entwickelt werden, die Aussagen über die Robustheit und interpretative Belastbarkeit bibliometrischer Indikatoren erlauben.
- Fachklassifizierung
Scopus und WoS bieten uneinheitliche Klassifikationssysteme auf der Basis von Journal-Sets. Diese Klassifikationen haben nicht nur inhaltliche Schwächen (teils auch Fehlzuordnungen von Journals). Sie sind insbesondere angesichts wachsender interdisziplinärer Forschungsfelder unbefriedigend. Klassifikationssysteme auf Journal-Ebene sollen daher überarbeitet und vereinheitlicht, vor allen Dingen aber eine fein granulierte Klassifikationen auf Artikelebene entwickelt werden.
- Netzwerkanalysen
Cluster- und Netzwerkbildungen haben in der Wissenschaftspolitik einen hohen Stellenwert. Diverse Methoden zur Identifizierung von Netzwerken unter Verwendung bibliometrischer Verfahren finden regelmäßig Verwendung. Oftmals unklar ist jedoch, welche Inhalte identifizierte Strukturen transportieren. Netzwerkdefinitionen und -normalisierungen sollen theoriegeleitet aufgearbeitet und verschiedene Clustering-Verfahren erschlossen und laufenden Projekten der Konsortialpartnern verfügbar gemacht werden.
- Erweiterung und Verbesserung der Datenbasis
Publikations- und Zitationsgewohnheiten sind in den Wissenschaftsdisziplinen sehr unterschiedlich. Letztere wiederum sind in den Datenbanken stark unterschiedlich abgedeckt. Fachgebiete mit ungenügendem Abdeckungsgrad sollen durch Open-Access-Zeitschriften, bibliographischen Angaben aus strukturierten Fachdatenbanken und Informationen aus Internet-Repositorien oder Google Scholar ergänzt werden. Hybriddatenbanken (z.B. aus Publikationen, Patenten, Drittmittelflüssen) sollen insbesondere in Disziplinen erprobt werden, in denen klassische Bibliometrie bisher nicht oder nur eingeschränkt anwendbar ist (z.B. Geistes- und Sozialwissenschaften).
- Theorieentwicklung
Bibliometrische Kennzahlen dienen neben analytischen Zwecken mehr und mehr Steuerungsprozessen in der Wissenschaft. Dies macht einerseits die Frage nach der Aussagekraft bibliometrischer Indikatoren dringlicher, andererseits wirft es Fragen nach der Reaktanz der Messung auf. Diese Fragen gehen über die unmittelbare Analyse des Datenmaterials hinaus, scheinen aber für ein Kompetenzzentrum Bibliometrie unverzichtbar zu sein und sollen daher aufgegriffen werden.
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